Differenz-im-Betrieb

Zitat von Kolja Kurzer am 11. Mai 2024, 11:08 UhrMoin an alle Systemtheoretiker, lieber Peter,
in der Reise nach Wladiwostok wird über Unjekte geredet, als sich Woltersbeck zu erkennen gibt, und dem Begriff des Unjektes eine lange Geschichte unter dem Gedanken der Differenz-im-Betrieb attestiert. Da es sich bei Woltersbeck um einen Theologen handelt, ging ich von der Scholastik aus; fragte einen Freund, der in diesem Bereich, sowie zu Hegel, bewanderter ist als ich, der konnte aber auch wenig damit anfangen; bzw. nur spekulieren.
In „Der Sinn der Beobachtung“ und einem anderen Artikel, der mir gerade entfallen ist, tauchte der Begriff auch auf; wurde dort aber auch nicht an eine Tradition oder Quellen angebunden (klar bei der Natur der Bücher. Beim Artikel waren sonst auch Quellen.).
Wo kann ich denn die Herausarbeitung des Konzeptes bei dir nachlesen?
Auf welche Theoretiker, Werke, Quellen spielt Woltersbeck mit der langen Tradition an?
Liebe Grüße
Kolja
Moin an alle Systemtheoretiker, lieber Peter,
in der Reise nach Wladiwostok wird über Unjekte geredet, als sich Woltersbeck zu erkennen gibt, und dem Begriff des Unjektes eine lange Geschichte unter dem Gedanken der Differenz-im-Betrieb attestiert. Da es sich bei Woltersbeck um einen Theologen handelt, ging ich von der Scholastik aus; fragte einen Freund, der in diesem Bereich, sowie zu Hegel, bewanderter ist als ich, der konnte aber auch wenig damit anfangen; bzw. nur spekulieren.
In „Der Sinn der Beobachtung“ und einem anderen Artikel, der mir gerade entfallen ist, tauchte der Begriff auch auf; wurde dort aber auch nicht an eine Tradition oder Quellen angebunden (klar bei der Natur der Bücher. Beim Artikel waren sonst auch Quellen.).
Wo kann ich denn die Herausarbeitung des Konzeptes bei dir nachlesen?
Auf welche Theoretiker, Werke, Quellen spielt Woltersbeck mit der langen Tradition an?
Liebe Grüße
Kolja

Zitat von Franz Hoegl am 8. Juli 2024, 17:49 UhrHier gehts wohl weniger um Unterscheidungen, die getroffen werden, und deren Pfade durch die Zeit (die Einsicht, dass ohne Unterscheidungen nix geht findet sich schon bald, nachdem die Philosophie aus dem Wasser auftaucht, und wird zur Zweisicht mit der Frage, wie es wieder zurück zur Einheit gehen könnte), sondern um diesen Schwebezustand, auf beiden und keiner Seite einer Unterscheidung zu flimmern – und dass wären dann durchaus spirituelle oder besser mystische Traditionen. Oder die Paradoxien der Rhetorik.
Hier gehts wohl weniger um Unterscheidungen, die getroffen werden, und deren Pfade durch die Zeit (die Einsicht, dass ohne Unterscheidungen nix geht findet sich schon bald, nachdem die Philosophie aus dem Wasser auftaucht, und wird zur Zweisicht mit der Frage, wie es wieder zurück zur Einheit gehen könnte), sondern um diesen Schwebezustand, auf beiden und keiner Seite einer Unterscheidung zu flimmern – und dass wären dann durchaus spirituelle oder besser mystische Traditionen. Oder die Paradoxien der Rhetorik.
Zitat von Peter Fuchs am 5. September 2024, 13:37 UhrLieber Herr Kolja,
‚in der Reise nach Wladiwostok wird über Unjekte geredet, als sich Woltersbeck zu erkennen gibt, und dem Begriff des Unjektes eine lange Geschichte unter dem Gedanken der Differenz-im-Betrieb attestiert. Da es sich bei Woltersbeck um einen Theologen handelt, ging ich von der Scholastik aus; fragte einen Freund, der in diesem Bereich, sowie zu Hegel, bewanderter ist als ich, der konnte aber auch wenig damit anfangen; bzw. nur spekulieren.‘
Nun, genau besehen, habe ich den ‚Begriff‘ erfunden, der aber gar kein Begriff ist, sondern für mich die ‚die Bezeichnung‘ eines ‚Weder-noch: Weder Begriff noch nicht Begriff – nichts dergleichen, auch nicht: ein Etwas eines Systems. Klar kann man sich fragen, ob es um eine klare Paradoxie geht, aber wen‘ könnte man fragen? Oder was fragt sich? Oder: Wer de-ontologisiert ein ‚Unjekt‘? Wenn man ein Beispiel sucht, stößt man auf Derrida und seine différance, die nichts besagt, sondern so etwas wie ein Verdikt ist oder ein ‚Oikesis‘, ein ‚Grabmal‘ …
‚Wenn es um deinen Theologen geht, er muss einfach an Nikolaus von Kusanus denken, an die negative Theologie.
‚Wo kann ich denn die Herausarbeitung des Konzeptes bei dir nachlesen?‘
Nach dem, was ich gesagt habe: Nirgendwo und doch …
Liebe Grüße
Peter Fuchs
Lieber Herr Kolja,
‚in der Reise nach Wladiwostok wird über Unjekte geredet, als sich Woltersbeck zu erkennen gibt, und dem Begriff des Unjektes eine lange Geschichte unter dem Gedanken der Differenz-im-Betrieb attestiert. Da es sich bei Woltersbeck um einen Theologen handelt, ging ich von der Scholastik aus; fragte einen Freund, der in diesem Bereich, sowie zu Hegel, bewanderter ist als ich, der konnte aber auch wenig damit anfangen; bzw. nur spekulieren.‘
Nun, genau besehen, habe ich den ‚Begriff‘ erfunden, der aber gar kein Begriff ist, sondern für mich die ‚die Bezeichnung‘ eines ‚Weder-noch: Weder Begriff noch nicht Begriff – nichts dergleichen, auch nicht: ein Etwas eines Systems. Klar kann man sich fragen, ob es um eine klare Paradoxie geht, aber wen‘ könnte man fragen? Oder was fragt sich? Oder: Wer de-ontologisiert ein ‚Unjekt‘? Wenn man ein Beispiel sucht, stößt man auf Derrida und seine différance, die nichts besagt, sondern so etwas wie ein Verdikt ist oder ein ‚Oikesis‘, ein ‚Grabmal‘ …
‚Wenn es um deinen Theologen geht, er muss einfach an Nikolaus von Kusanus denken, an die negative Theologie.
‚Wo kann ich denn die Herausarbeitung des Konzeptes bei dir nachlesen?‘
Nach dem, was ich gesagt habe: Nirgendwo und doch …
Liebe Grüße
Peter Fuchs
Zitat von Peter Fuchs am 6. September 2024, 10:18 UhrLieber Franz
„Hier gehts wohl weniger um Unterscheidungen, die getroffen werden, und deren Pfade durch die Zeit (die Einsicht, dass ohne Unterscheidungen nix geht findet sich schon bald, nachdem die Philosophie aus dem Wasser auftaucht, und wird zur Zweisicht mit der Frage, wie es wieder zurück zur Einheit gehen könnte), sondern um diesen Schwebezustand, auf beiden und keiner Seite einer Unterscheidung zu flimmern – und dass wären dann durchaus spirituelle oder besser mystische Traditionen. Oder die Paradoxien der Rhetorik.“
Hier ganz kurz: Meine Überlegungen gehören in den Kontext der Überlegungen zur ‚Verschränkung‘, den Vorbereitungen zur ‚Grenzfrage‘, die (bezogen auf Grundbegriffe der Theorie) durchdiskutiert werden. Aber dazu könnte ich im Augenblick nur unschlüssige Ergebnisse nennen, zum Beispiel zur Inwärtigkeit der Außenwärtigkeit der Inwärtigkeit des Systems.
Herzliche Grüße
Peter
Lieber Franz
„Hier gehts wohl weniger um Unterscheidungen, die getroffen werden, und deren Pfade durch die Zeit (die Einsicht, dass ohne Unterscheidungen nix geht findet sich schon bald, nachdem die Philosophie aus dem Wasser auftaucht, und wird zur Zweisicht mit der Frage, wie es wieder zurück zur Einheit gehen könnte), sondern um diesen Schwebezustand, auf beiden und keiner Seite einer Unterscheidung zu flimmern – und dass wären dann durchaus spirituelle oder besser mystische Traditionen. Oder die Paradoxien der Rhetorik.“
Hier ganz kurz: Meine Überlegungen gehören in den Kontext der Überlegungen zur ‚Verschränkung‘, den Vorbereitungen zur ‚Grenzfrage‘, die (bezogen auf Grundbegriffe der Theorie) durchdiskutiert werden. Aber dazu könnte ich im Augenblick nur unschlüssige Ergebnisse nennen, zum Beispiel zur Inwärtigkeit der Außenwärtigkeit der Inwärtigkeit des Systems.
Herzliche Grüße
Peter

Zitat von Kolja Kurzer am 8. September 2024, 20:43 UhrDanke! und Danke!
Bin mittlerweile auch weitergekommen; mit dem Un-Begriff und mit der fuchsigen Lektüre. Unjekte tauchen ja immer wieder auf. Sie verstehen sich als unverstanden, sie müssen immer wieder neu gefasst und fallen gelassen werden.
Aktuell spiele ich viel mit Unterscheidungen, die mit einem nicht einholbaren Anteil ausgestattet sind. System/Umwelt. Desir/objet petit a bzw. dann in Verlaufsformel: System => System/Umwelt; Desir => Demande/Objet petit a. Die unerreichbare Seite der Unterscheidung ist der Raum der Entfaltung, der Anlass, die Potentialität, der aktuelle und kontingent gesetzte Telos. Aber sobald diese Seite eingeholt wird, wird sie sofort auf die andere Seite verschoben, sie wird System, sie wird Wunscherfüllung. Aber an ihrer statt tritt ein Ersatz. Hier entsteht durch die Spannung zwischen den Seiten eine quasi-endlose Dynamik; kommt sie zum Erliegen, hat dies weitreichende Folgen.
Hier ist also eine Differenz grundlegend um das Begehren des Subjektes zu perpetuieren. Analog perpetuiert das System, das System in einer Differenz-im-Betrieb.
Danke! und Danke!
Bin mittlerweile auch weitergekommen; mit dem Un-Begriff und mit der fuchsigen Lektüre. Unjekte tauchen ja immer wieder auf. Sie verstehen sich als unverstanden, sie müssen immer wieder neu gefasst und fallen gelassen werden.
Aktuell spiele ich viel mit Unterscheidungen, die mit einem nicht einholbaren Anteil ausgestattet sind. System/Umwelt. Desir/objet petit a bzw. dann in Verlaufsformel: System => System/Umwelt; Desir => Demande/Objet petit a. Die unerreichbare Seite der Unterscheidung ist der Raum der Entfaltung, der Anlass, die Potentialität, der aktuelle und kontingent gesetzte Telos. Aber sobald diese Seite eingeholt wird, wird sie sofort auf die andere Seite verschoben, sie wird System, sie wird Wunscherfüllung. Aber an ihrer statt tritt ein Ersatz. Hier entsteht durch die Spannung zwischen den Seiten eine quasi-endlose Dynamik; kommt sie zum Erliegen, hat dies weitreichende Folgen.
Hier ist also eine Differenz grundlegend um das Begehren des Subjektes zu perpetuieren. Analog perpetuiert das System, das System in einer Differenz-im-Betrieb.